Ein Skoliometer-Wert unter 5° gilt in der Regel als unauffällig. Ab 5° sollte in Deutschland nach der aktuellen AWMF-Leitlinie ein Röntgenbild zur Diagnosesicherung erfolgen. Das sind Grenzwerte für die Früherkennung — keine Diagnose und kein Maß für die Krümmung der Wirbelsäule selbst.
Ein Skoliometer erfasst den Rumpfrotationswinkel (ATR): um wie viel eine Rumpfseite über die andere hinausragt, wenn sich eine Person nach vorne beugt. Weil an der Oberfläche des Rückens gemessen wird und nicht an der Wirbelsäule selbst, versteht man einen Wert am besten als Hinweis darauf, ob eine weitere Abklärung sinnvoll ist — nicht als Zahl, die die Wirbelsäule beschreibt.
| Wert | Übliche Einordnung | Üblicher nächster Schritt |
|---|---|---|
| 0°–4° | Unauffällig; kleine Asymmetrien sind in der Allgemeinbevölkerung häufig | Weiter routinemäßig kontrollieren, besonders während des Wachstumsschubs |
| 5°–6° | Der in Deutschland maßgebliche Bereich: Ab einem Rippenbuckel oder Lendenwulst von 5° empfiehlt die AWMF-Leitlinie ein Röntgenbild | Sorgfältig nachmessen; ärztlich abklären lassen |
| 7° oder mehr | International der gebräuchlichste Überweisungswert — deutlich oberhalb der deutschen Grenze | Ärztliche Abklärung veranlassen |
| Zunahme um 2° oder mehr | Hinweis auf eine Entwicklung, unabhängig vom absoluten Wert | Ärztlich abklären lassen |
Ein Grenzwert ist immer ein Kompromiss. Liegt er zu niedrig, werden viele gesunde Kinder zu einer Bildgebung geschickt, die sie nicht brauchen; liegt er zu hoch, werden Krümmungen übersehen, die von früher Aufmerksamkeit profitiert hätten. International haben sich die meisten Programme auf etwa 7° eingependelt, mit 5° für Kinder mit Übergewicht, bei denen eine Krümmung leichter verborgen bleibt. Die aktuelle deutsche S2k-Leitlinie setzt die Grenze für alle bei 5°: „Ab einem Rippenbuckel oder Lendenwulst von 5° sollte zur Diagnosesicherung ein Röntgenbild erfolgen.“ Deutschland wählt damit die empfindlichere Einstellung. Einzelne Programme und Behandelnde können leicht abweichende Werte verwenden, und die Verläufe hängen von Alter, Skelettreife, Krümmungstyp und der Gleichmäßigkeit der Messung ab.
Ein schulisches Reihenscreening auf Skoliose gibt es in Deutschland nicht. Benannt ist die Erkrankung aber im Gesetz: Die Jugendgesundheitsuntersuchung J1, zwischen dem 13. und dem 14. Geburtstag, führt ausdrücklich „Auffälligkeiten des Skelettsystems (z. B. Skoliose)“ auf — genannt wird die Erkrankung, nicht eine Methode. Die Untersuchungen U1 bis U9 enden mit etwa fünf Jahren, ein Vorbeugetest ist allein bei der U8 mit rund vier Jahren vorgesehen, und U10, U11 sowie J2 sind keine Regelleistungen, sondern Selektivverträge einzelner Krankenkassen. Für den gesamten Wachstumsschub bleibt damit genau eine gesetzlich vorgesehene Untersuchung — und danach keine weitere.
Genau diese Lücke macht die Messung zu Hause wertvoll. Die aktuelle S2k-Leitlinie der AWMF (Registernummer 151/002, gültig bis März 2028, getragen von DWG, DGOU und VKO und im starken Konsens verabschiedet) nennt den Wert, an dem sich alles orientiert: „Ab einem Rippenbuckel oder Lendenwulst von 5° sollte zur Diagnosesicherung ein Röntgenbild erfolgen.“ Gemessen wird mit einem Skoliometer. Die Leitlinie spricht dabei nicht vom Rotationswinkel, sondern vom Rippenbuckel beziehungsweise Lendenwulst in Grad — gemeint ist dieselbe Messung, die diese Seite beschreibt.
Für den Weg zur Abklärung ist eine Überweisung nicht erforderlich: Ein Termin beim Orthopäden kann direkt vereinbart werden. Eine amtliche Prävalenzzahl für Deutschland gibt es nicht — Portale des Bundesgesundheitsministeriums nennen rund 2 % der 10- bis 16-Jährigen, die AWMF verweist auf eine internationale Spanne von 0,47 bis 5,2 %. Die Schroth-Methode stammt aus Deutschland; die Leitlinie führt sie als Einteilung auf, und wir leiten daraus keine Wirksamkeitsaussage ab.
Ein Wert ist eine Momentaufnahme. Eine Reihe, die gleich erhoben wurde, von derselben Person, in gleichmäßigen Abständen, ist weit aussagekräftiger. Ein ATR, der über einige Monate stetig steigt, ist bedeutsam, auch wenn jeder Einzelwert noch unauffällig wirkt — und ein Wert, der einmal ausschlägt und dann wieder auf das Ausgangsniveau zurückkehrt, spiegelt eher die Technik als eine Veränderung. Deshalb lohnen die paar Sekunden, um Datum, gemessene Region und messende Person festzuhalten. Zur Technik siehe Skoliometer richtig anwenden.
Bei Kindern und Jugendlichen geht es um das Fortschreiten während des Wachstums, deshalb wird häufiger gemessen — etwa alle zwei bis vier Wochen während eines Wachstumsschubs — und ein steigender Verlauf wird zügig aufgegriffen. Bei Erwachsenen ist das Skelettwachstum abgeschlossen und Veränderungen verlaufen meist langsamer, getragen von degenerativen Faktoren statt vom Wachstum; eine monatliche Kontrolle genügt in der Regel, wobei Beschwerden ebenso zu beachten sind wie die Zahl. In beiden Fällen sind die genannten Grenzwerte ein Ausgangspunkt für das Gespräch mit einer Fachperson, kein Ersatz dafür.
Lassen Sie abklären, wenn ein Wert die Grenze erreicht, wenn die Werte über die Zeit steigen, oder wenn Ihnen ungleich hohe Schultern, ein hervorstehendes Schulterblatt, eine ungleichmäßige Taille oder ein sichtbarer Rippenbuckel beim Vorbeugen auffallen. Verläufe und die passende Behandlung sind individuell verschieden; eine ärztliche Untersuchung ist der Weg, um zu klären, was ein Wert für eine bestimmte Person bedeutet.
Verfügbar für iPhone und Android.
Quelle: van West HM, Herfkens J, Rutges JPHJ, et al. The smartphone as a tool to screen for scoliosis, applicable by everyone. European Spine Journal 2022;31:990–995. Diese Arbeit untersuchte die smartphonegestützte ATR-Messung als Methode und bewertete keine bestimmte App.